Am Mute hängt der Erfolg!

„Brenda Bly – Teen Detective“ am 5. März 2016 im Fontane-Gymnasium in Rangsdorf

 

 

 

 

In Brandenburg gibt es schulmusikalische Brachen und schulmusikalische Leuchttürme. Seit mehr als 25 Jahren schon. In Potsdam zum Beispiel brennen davon gleich mehrere, an den drei „H“-Gymnasien (Helmholtz, Humboldt und Hermannswerder), aber auch am Leibniz-Gymnasium. Und auch in Neuruppin, bei „Schinkel“ und an der Evangelischen Schule, das steht außer Frage. Neuerdings blinkt es sogar in Schwarzheide.
Doch ansonsten herrscht vermutlich Ebbe im märkischen Sand und unter märkischen Kiefern. Bis auf eine weitere rühmliche Ausnahme.
Die heißt Fontane-Gymnasium in Rangsdorf.
Rangsdorf liegt im Speckgürtel von Berlin, was auch immer das heißen mag. Und in Rangsdorf gibt es einen umtriebigen Musiklehrer, der heißt Frank-Reiner Nowakowski. Der „spinnt“ seit elf Jahren „Stroh zu Gold“, Musical-Gold.


Am Abend des 5. März 2016 konnte ich mich davon überzeugen, dass auch „Provinzler“ singen, musizieren und tanzen können, höchst innovativ und anspruchsvoll zugleich, stimmlich nicht immer auf allen Höhen, aber überzeugend dennoch. „Lieber Reiner“, so meine Pausen-Backstage-Frage, „wie bringst Du denn Deine Jungen so überzeugend zum Singen?“ „Na“, so die spontane Antwort, „von Anbeginn an, ab der 7. Klasse, fast jede Musikstunde!“
Das Ergebnis verblüfft. Da gibt es einen Video-Vorspann vom feinsten, der aufzählt, was für ein Wahnsinns-Aufwand alljährlich auf die Musical-Macher zukommt. Zum Beispiel ist da eine Turnhalle umzurüsten, eine Bühne aufzubauen und jede Menge Technik zu installieren. Und das alles „spielend“, stets mit einem Lächeln versehen.


Wenig später spielt dann fünf Tage lang (insgesamt sieben Mal!!!) eine fast professionell anmutende Band, besetzt mit Saxophonen, Flöten, Gitarren, Bass und viel Schlagwerk auf dem Turnhallen-Rang und ist immer „am Ball“, während „unten“ auf der Bühne Brenda Bly auf „Spurensuche“ geht, weil sie ja an ihrem College „Teen Dedecitive“ ist. Sandsäcke werden da geworfen, immer auf irgendwelche wichtigen Protagonisten, die dann zu Fall kommen. Kriminell, sehr kriminell!
Zwei schräge feminine Zwillinge wetteifern da schneewitchenmäßig darum, die Schönste im ganzen Land zu sein; eine tumbe Rektorin kommt mit ihrer Biographie nicht klar; jugendliche Liebhaber haben Identitätsprobleme und so weiter und so fort.
Die Story wirkt nicht nur kitschig, sie ist es auch, voller Klischees der „US-mond-landing-time“ anno 1969. Auch der russische Spion darf nicht fehlen, auch nicht die mehrfachen Seitenhiebe auf französische Lebenskultur.
Aber darum geht es in Rangsdorf eigentlich gar nicht, vielmehr um eine erstaunlich anspruchsvolle Musik, die in der Tat weder leicht zu spielen, noch vom Blatt zu singen ist.
Für schlappe 1000 € hat Frank-Reiner Nowakowski Anfang September 2015 die Aufführungsrechte gekauft und für diese stolze Summe nur schlappe vier Instrumentalstimmen bekommen. Den „Rest“ musste er selber besorgen, ausfüllen, erfinden, Lücken füllen, Partituren selbst schreiben, kopieren, und sich inszenatorisch einen großen Kopf machen…


Und dann diese tolle Idee mit der großen Videoprojektionsfläche, direkt über der Spielfläche! Man weiß immer sofort, in welcher Szene man sich befindet, ob im Arbeitszimmer der Rektorin oder direkt auf dem Weg zum Mond. Der Nachspann mit den Namen aller Mitwirkenden hätte aber unbedingt in ein Programmheft zum
Mitnehmen gehört!
Herausgekommen ist ein „Rangsdorf-Musical“, getragen von der Sympathie der gesamten Schule und des Umlandes, gesponstert von mittelständigen Unternehmen, bebeifallt von Lehrern, Eltern, Geschwistern und Großeltern.
Entscheidend aber ist der pädagogische Input.
Schüler singen, Schüler spielen, Schüler verkaufen Sekt und Würstchen, Schüler steuern Kameras, Schüler mixen, Schüler identifizieren sich, engagieren sich, wachsen über sich hinaus.

 

 

„Am Mute hängt der Erfolg!“ – hat schon Fontane gesagt. Ist Fontane in Rangsdorf gewesen?
Aber ja doch!


Text und Fotos: Andreas Flämig